Wer hat Angst vor einer Ganztagsschule?

Veröffentlicht am 14.02.2012 in Bildung

Es ist schon ein Vorgang, der nicht unkommentiert bleiben darf, wie zzt. in der Gemeinde Neuenhagen die Debatte um die seltene Chance eines Neubaus einer Ganztagsschule geführt wird.
Zum Verständnis: Bei der Fortschreibung der Kitakonzeption 2008 beschließt der K+S-Ausschuss den Ausbau mindestens einer Grundschule in Neuenhagen als Ganztagsschule. Dies schon damals sehr zum Missfallen der Verwaltung bzw. einzelner Mitarbeiter der Verwaltung. Der glückliche Umstand einer neuen Kommunalwahl und neuer unerfahrener GemeindervertreterInnen lässt die Hoffnung zu, dass der damalige Beschluss zur Ganztagsschule ignoriert werden kann.
Nun ist die Diskussion erneut entfacht, durch die Hartnäckigkeit von Elternvertretern der Schwanenteichschule. Sie wagen den Schritt als Bürger in einen Ausschuss der Gemeinde zu gehen und dort das Wort zu ergreifen. Nicht ohne Reglementierung.
Die Elternvertreter finden Unterstützung u.a. durch die SPD-Neuenhagen, die ihrerseits eine Veranstaltung durchführt, zu der alle, die an der konzeptionellen Entwicklung und am Bau einer neuen Grundschule relevant sind, eingeladen werden. Die Verwaltung sagt ihre Teilnahme ab, zwei von drei Grundschulleiterinnen negieren sie.
Ein Ergebnis dieser Veranstaltung mündet in der fraktionsübergreifenden Antragstellung nach einer Ganztagsschule in Neuenhagen. Die GVT beschließt die Rücküberweisung in die Ausschüsse. Dort sollen einmal über die öffentliche Informationsveranstaltung zur Ganztagsschule und über die Einrichtung eines zeitweiligen Ausschusses zur Begleitung der Errichtung einer Ganztagsschule abgestimmt werden.
Die Verwaltung führt hinter verschlossenen Türen mit den geladenen 3 Grundschulleiterinnen (Landesbedienstete) ein Gespräch über das aus ihrer Sicht unzweifelhafte bestehende Desinteresse von Eltern an einer Beschulung ihrer Kinder an einer Ganztagsschule. Die Verwaltung fordert die Abklärung des Interesses durch eine an jeder Schule separat durchzuführende Befragung der Elternschaft, mit dem Ziel, dann entweder keine oder nur eine eingedampfte Informationsveranstaltung durchführen zu können. Die Schulleiterinnen akzeptieren- die Hoffnung stirbt zuletzt.
Mit diesem fragwürdigen Konsens geht die Verwaltung dann in den K+S-Ausschuss und erreicht eine Abstimmung der Ausschussmitglieder gleich für die Einrichtung des Ausschusses mit, die zum Himmel schreit. 5 GVT stimmen gegen den Antrag, 2 enthalten sich, niemand stimmt dem immerhin von 3 Fraktionen gestellten Antrag mehr zu.
Muss eine Schulform, die allen Kindern gleichermaßen Chancengleichheit durch Bildungsangebote ermöglicht, die nicht vom Einkommen der Eltern abhängig sind, so bekämpft bzw. boykottiert werden? Wo bleibt das Recht auf Wahlfreiheit und Pluralität? Wann ist auch in Neuenhagen die Ära der Engstirnigkeit in der Diskussion um Schule und Hort als das Non plus Ultra oder Ganztagsschule mit einem Bildungsangebot an die Kinder bis in den Nachmittag, wie es in vielen anderen Ländern schon längst gang und gäbe ist, zu Ende?
Marianne Hitzges, 14.02.2012